Philosophierstübchen

Ziel des Übens: Eigenwahrnehmung stärken. Lob stört dabei genauso wie Tadel.

 

Alles stimmt, bis das Gegenteil stimmt.
 

Übst du eine Aktion oder einen Zustand?

 

Man kann das Spiel (Konzertsituation) nicht durch Üben üben, sondern nur durch Auftreten.

Auftreten ist öffentliches Üben des Auftretens.

 

Könnte sein: Üben ist "gefriergetrocknetes" (am Steg, wenig Bogen, obertönig bis an die Grenze) extrem konsequente technische Organisation) Spiel, das beim Auftritt mit Wasser ("Kür", viel Platz, viel Bogen, große Palette an Klängen) übergossen serviert wird.

 

Üben übt Fertigkeiten (technische/sportliche, analytische, mentale, psychologische, pädagogische, künstlerische,...), die dafür nützlich sein könnten.

 

Beispiele:

Zu den technischen/sportlichen gehört, alle Kombinationen von Tönen in jedem Tempo abrufen zu können.

Zu den analytischen gehört, beim Musiklesen schneller zu werden darin, das Ganze zu überblicken, Zeit zu zoomen.

Zu den mentalen/psychologischen gehört, in seine Mitte/Stärke zu kommen (statt auf motivierende Reize zu warten).

Zu den pädagogischen gehört, zu wissen, wie man mit sich selbst in Echtzeit umgeht.

Zu den künstlerischen gehört, sich regelmäßig mit dem zu konfrontieren, was einen inspiriert, was unerwartete Räume öffnet, was man also eben für Kunst hält.

Kunst kann man nicht machen. Sie kommt vielleicht in einem großen Moment, wenn dank Trainings das Spiel über sich hinauswächst.

 

Man muss beim Üben unterscheiden zwischen Boden bereiten, Saat und Ernte.

 

Man sollte über Kunst nur mit Leuten reden, die regelmäßig etwas tun, was sie noch nie getan haben.

 

Kreativität ist nicht, das große Ding zu erfinden, auf das noch niemand gekommen ist. Kreativität bedeutet, die Zeit zu haben, mit zehn winzigen Veränderungen so lange zu experimentieren, bis du weißt, welche neun davon du wegschmeißen kannst.

 

Finde heraus, auf welcher Ebene (zwischen grundsätzlich und detailliert) Kenntnisse und Fertigkeiten verankert sein müssen, um abrufbar zu sein.

 

Finde heraus, was dich von einer Menschengruppe trennt, die du bewunderst, und arbeite daran.

 

Entscheide, was an dir und deinem Spiel zu dir gehört und was nicht. Letzteres ist zu kurieren. Diagnosen mit allen Folgen sind ein Entschluss.

 

Übe so viel wie möglich ohne "Werk", damit du beim Erstkontakt weitestmöglich auf Augenhöhe bist. (Wenn schon nicht symmetrisch, dann wenigstens komplementär...)

 

Erst wenig, dann viel. Nicht: Erst falsch, dann richtig.

 Von Null beginnen, nicht von Minus. Man lernt nicht aus Fehlern, sondern aus Erfolgen.

 

Das Richtige wiederholen.

 

 Täglich üben. Als Ritual, Gewohnheit. Mehr kann man nicht erwarten.

 

 Erst üben, wenn man das Ziel kennt (weiß, wie es klingen soll).

 Die Augen braucht man nur zum Noten lesen, nicht zum Cello spielen, jedenfalls nicht dauerhaft. Was man beim Probieren gesehen hat, muss man durch Üben ungesehen machen.

 

Cello spielen heißt: Die Verbindung zwischen innerem Ohr und Motorik legen.

Mit den Augen schauen birgt die Gefahr des Fixierens - erzeugt Verspannungen

 

Man muss die Grundspannung der Musik, die man spielen soll, zuerst übernehmen.

(Gefahr beim Üben: Unterspannt. Gefahr auf dem Podium: Überspannt. Hat beides nichts mit Musik zu tun.)

 Saiteninstrumente stehen unter dauernder Spannung, das müssen wir respektieren und darauf körperlich reagieren. Nicht verkrampft, mehr im Sinne einer fröhlichen Hab-Acht-Haltung.

 

Cellospielen ist die dauernde Gratwanderung zwischen Machen und Lassen, zwischen Aktiv und Passiv, zwischen Agieren und Reagieren.

 

Die Musik, mit der wir meist zu tun haben, kommt aus einer Zeit, in der es Musikpädagogik noch nicht gab.

 

Cello spielen ist bürgerlich und elitär im Sinne von: Cellospieler, gleich welchen Alters, werden als Musiker ernst genommen und als Fackelträger einer langen Tradition behandelt.

 

Wird Musikmachen instrumentalisiert ("Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Klavierspielen bessere schulische Leistungen erzeugt...", "Singen macht schön." etc.), besteht Gefahr.

(Im Übrigen stimmt (leider die traurige Wahrheit) oft eher der Umkehrschluss: Nur wer gute Schulnoten hat, hat genug Zeit zum Klavierspielen.)

 

Bewegungen unterrichten, ist schwierig. Besser: Das Instrument kennen lernen und die Bewegung dazu selbst finden.

Dazu muss man bereit sein, dauernd gaaaanz von vorn zu beginnen.

 

Bedeutet für den Anfangsunterricht: Erst Instrument kennen lernen, später Fertigkeiten einüben.

 

 Vorsicht: Klassische Ausbildung ist tendenziell defizitorientiert.

 

 Tabus nützen manchmal, Experimentieren immer.

 

Wirklich begabt sind Leute, die diese und viele andere Sätze anwenden, ohne sie in Worten denken (oder gar schreiben) zu müssen.

Hier geht es zu einem längeren Text zum Thema 

Musik, Demokratie, tiergestützte Pädagogik

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